Ein Boot namens Erde

by_thorbenwengert_pixelio.de_Japan lebt hier und wohnt nur ein paar Häuser weiter. Wir sind ein Dorf, sind eine Familie und segeln auf demselben Boot namens Erde durch die Gezeiten viel größerer Räume. Die Astronauten, die einst den Mond besuchten, haben dies mit eigenen Augen gesehen, und der Mond ist – in astronomischen Dimensionen betrachtet – gerade mal ein paar Schritte von der Erde entfernt.

Die Welt ist in vielen Belangen global geworden. Hat sich unser Herz schon auf diese Größe geweitet, oder leben wir bewusstseinsmäßig noch in Zeiten, als uns schon das nächste Bergtal als eine ferne, fremde und feindliche Welt erschien? Die Erde ist ein lebendiger Organismus, auf dem wir uns aufhalten, wohnen, atmen und leben dürfen. Wir sind Gäste in einem aus unserer Perspektive großen Boot, auf dem wir uns eingerichtet haben, als seien wir die Bootseigner.

Japan schenkt uns die Gelegenheit, aus einem tiefen unbewussten Schlaf aufzuwachen. Der erste und akute Schritt wird sein zu helfen. Der nachfolgende wird uns – hoffentlich – zeigen, dass wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen und so tun könnten, als wäre da nichts Einschneidendes passiert. Wieviel Lektionen benötigen wir noch, um zu lernen, dass wir alle eine Familie sind? Das ist keine Lektion für unseren Verstand, denn der hat noch immer Argumente gefunden, um die Konsequenzen zu verwässern. Das ist eine Lektion für unser Herz, das sich seiner Rolle wieder bewusst wird und zu seiner ganzen Schönheit und Kraft erblüht.

In einer vom Herzen regierten Welt wird das geschehen, was in jedem funktionierenden biologischen Körper geschieht: Aus dem Bewusstsein heraus, dass du zugleich ein Teil des Ganzen und auf magische Weise auch das Ganze selber bist, wirst du alles als ein Teil von dir selber erleben und wirst wollen, dass es niemandem an etwas mangelt. Fürsorge für das Ganze und all seine Teile nicht als moralischer Grundsatz, sondern als Teil deines normalen Verhaltens – zum Beispiel so, wie sich liebende Eltern um ihr Neugeborenes kümmern.

Das ist kein hohes Ideal. Wenn man auf demselben Boot unterwegs ist und die Familie sich den Raum miteinander teilen muss, dann ist dies eine schlichte Notwendigkeit, will man nicht als ganze Familie kentern.

In diesen Tagen der Katastrophe will das Herz einfach helfen. Jeder hat seine Möglichkeiten und seine Sicht, wie er dies am besten tun kann. Es gibt keinen Grund, darüber wettzustreiten. Jede Hilfe ist nötig und willkommen, wenn sie denn von Herzen kommt und die Hilfebedürftigen erreicht.

Was selbst die Wissenschaft längst weiß, beginnt auch immer mehr Menschen bewusst zu werden: Unsere Wünsche und Gedanken haben Wirkung und Einfluss auf alles in der Schöpfung, und es ist jetzt an der Zeit, davon für die leidenden Menschen und für die gebeutelte Natur in Japan Gebrauch zu machen. Tue alles in deiner Macht Befindliche, allein oder besser noch gemeinsam, weil wirkungsvoller, lichtvolle Wünsche voller Mitgefühl und Liebe auszusenden. Wähle diejenigen Möglichkeiten, die dir zur Verfügung stehen, also Gebet, Meditation und was alles helfen kann.

Wenn jetzt ein Ruck durch die Menschheit geht und sie sich über die paar Tage der akuten Katastrophenmeldungen hinaus auf ein höheres Niveau von Einheit, Fürsorge, Mitgefühl und Liebe einschwingt, dann ist Japan vielleicht mehr als die bloße Katastrophe, von der wir in diesen Tagen aufgeschreckt werden. Dann wäre sie eine Art Opfer für die Menschenfamilie, sie aus der Lähmung der alten bequemen Gewohnheiten herauszureißen und ihr die Chance zu schenken aufzuwachen – vielleicht gerade rechtzeitig, um viel größere Gefahren abwenden zu können.

Die Erde ist unsere Arche Noah. Wir sollten mit diesem Boot sehr fürsorglich umgehen, denn es gibt kein zweites. Und Kooperation auf diesem Boot hält unsere Familie am Leben. Auch mit ihr sollten wir sehr fürsorglich umgehen, denn es gibt keine zweite.

Oneness ist nicht nice to have – nett zu haben. Oneness ist Leben. Es gibt nur dieses Eine.

 

geschrieben von: Petra & Eckart Schulz | am 23.03.2011