SprichWorte

by_thomas_max_mller_pixelio.de_400In unserer Kultur sind viele Schamanische Traditionen durch Inquisitionen verloren gegangen. Hauptziel der Inquisition war, nach kirchlichen Verständnis, die Reinhaltung des Glaubens. So fielen viele Heilkundige, Kräuerfrauen, Hebammen und anders Denkende/-Gläubige dem VerdErben zum Opfer. Vermächtnisse sind nicht mehr offensichtlich. Sie sind verborgen in Märchen, Metaphern und Gleichnissen.

Eine Witwe hatte zwei Töchter, davon war die eine schön und fleißig, die andere hässlich und faul. Sie hatte aber die hässliche und faule, weil sie ihre rechte Tochter war, viel lieber, und die andere musste alle Arbeit tun und das Aschenputtel im Hause sein. Das arme Mädchen musste sich täglich auf die große Straße bei einem Brunnen setzen und so viel spinnen, dass ihm das Blut aus den Fingern sprang. Nun trug es sich zu, dass die Spule einmal ganz blutig war, da bückte es sich damit in den Brunnen und wollte sie abwaschen. Sie sprang ihm aber aus der Hand und fiel hinab. Es weinte, lief zur Stiefmutter und erzählte ihr das Unglück. Sie schalt es aber so heftig und war so unbarmherzig, dass sie sprach: ,,Hast du die Spule hinunterfallen lassen, so hol' sie auch wieder herauf." Da ging das Mädchen zu dem Brunnen zurück und wusste nicht, was es anfangen sollte, und in seiner Herzensangst sprang es in den Brunden hinein, um die Spule zu holen. Es verlor die Besinnung, und als es erwachte und wieder zu sich selber kam, war es auf einer schönen Wiese, wo die Sonne schien und vieltausend Blumen standen. Auf dieser Wiese ging es fort und kam zu einem Backofen, der war voller Brot; das Brot aber rief: ,,Ach, zieh' mich raus, zieh' mich raus, sonst verbrenn' ich, ich bin schon längst ausgebacken!"

Das sind Worte aus dem Märchen Frau Holle.  Es könnte genauso gut der "Bericht" eines Schamanen, von einer schamanischen Reise sein. Worte können eine Verbindung zwischen Bewussten und dem Unbewussten herstellen. Die Heilkraft von Mantren/Worten wird seit Jahrtausenden von Jahren genutzt. Worte stärken den Willen, das Wissen und das Handeln. Sie führen direkt von der Psyche zur Seele und fördern Begeisterung, Mut und Entschlossenheit. 

Das Besprechen von Gürtelrosen und Warzen. Das bittende Gebet zum großen Geist der Schöpfung. Das beschWICHTIGende Singen einer Mutter an der Wiege ihres Neugeborenen heilt, stärkt und nährt unser Sein. Worte können (keine?) Wunder vollbringen, aber heilsam sein.

Ein Text ist mir in den letzten Tagen begegnet. 
Die Blattlaus meidet den Lavendel, weil er nicht gut für sie riecht, aber sie achtet den Lavendel deshalb nicht gering, weil er nicht ihrem Wunsch entspricht.

Und so spreche ich die Worte: Achtsam will ich mit Wesen sein, den sichtbaren und den unsichtbaren - auch wenn sie nicht meinem Wunsch entsprechen.


Foto:
Thomas Max Müller - pixelio.de

geschrieben von: Angelika Schacht | am 18.06.2012