Vereinbarung zum gemeinsamen Handeln

161holonlipDas auf dem Kongress für Integrale Politik 2008 erarbeitete Manifest.
Von Gandalf Lipinski

Die »Vereinbarung zum gemeinsamen Handeln«, wie sie auf dem letztjährigen Kongress für Integrale Politik in Vorarlberg getroffen wurde, liegt nun endlich in der endgültigen Fassung vor. Die Erstveröffentlichung des Wortlauts geschieht hier in der Hoffnung, dass möglichst viele Menschen die darin enthaltenen Erkenntnisse, Ziele und Forderungen mittragen und das Manifest mit ihrer Unterschrift stärken. (siehe Schluss des Artikels)

Immer mehr Menschen haben erkannt, dass für die Stärkung des Gemeinwohls, die Bewahrung der Schöpfung und die vitale Weiterentwicklung der Demokratie ein neues Politikverständnis gefunden und gelebt werden muss. Dies setzt ein neues, umfassendes Bewusstsein voraus, das wir als »integral« bezeichnen. Der Begriff des »integralen Bewusstseins« beinhaltet und fasst zusammen, was viele Menschen etwa unter Weisheit, Spiritualität oder Herzensintelligenz im individuellen und kollektiven Sinn verstehen.

Die Probleme und Aufgaben, die sich heute global zeigen, können und sollen nicht von einer Handvoll Entscheidungsträgern gelöst werden. Dazu bedarf es der politischen Mitwirkung breiter Bevölkerungsschichten, die Verantwortung übernehmen.

Die Menschen, die beim Kongress zusammengekommen sind, stehen in diesem neuen Bewusstsein und sind bereit, diese Verantwortung wahrzunehmen. Sie fühlen in sich eine Verpflichtung, über ihr bereits begonnenes individuelles Engagement hinaus gemeinsame Schritte für einen tiefgreifenden Wandel zu vereinbaren und umzusetzen.

Ausgangslage
Wir schätzen die immensen Errungenschaften der Moderne sehr und möchten sie nicht missen. Dennoch, das einseitig materialistische Welt- und Menschenbild, das im Gefolge der Aufklärung auftrat, und der Glaube an eine exponentielle Wachstumswirtschaft erweisen sich deutlich als schwerwiegende globale Verirrungen.

Diese Weltproblemfelder wurzeln zu einem erheblichen Teil in der Irreleitung der menschlichen Bedürfnisbefriedigung.
Integrale Politik sucht nach konkreten Lösungen im Hinblick auf diese drei großen Problemfelder. Sie will dabei nicht die Symptome, sondern deren Ursachen angehen.

Die nicht-materiellen Bedürfnisse jedes Menschen und aller Wesen dieser Erde, wie Zuneigung, Zugehörigkeit, Gerechtigkeit, Kreativität, Sinn und letztliche Geborgenheit, können nicht auf der materiellen Ebene von Konsum und Besitz befriedigt werden. Der heute dominierende Materialismus versucht jedoch, die menschlichen Bedürfnisse in Form von Einkommen, Konsum und Vermögen hauptsächlich auf der materiellen Ebene zu stillen. Dieser Versuch muss scheitern. Unbefriedigte immaterielle Bedürfnisse führen zu innerer Unzufriedenheit, Unersättlichkeit gegenüber materiellen Ansprüchen und Flucht in Ersatzbefriedigungen. Sucht, etwa nach Alkohol, sonstigen Drogen, übermäßigem Essen, Besitz und Macht, zerstört einerseits den Menschen, andererseits den Frieden in der Gesellschaft. Die beträchtliche Ungleichheit an Besitz, Konsum und an Entfaltungsfreiheit ruft Unfrieden hervor. Uferlose materielle Ansprüche beeinträchtigen heute das dynamische Gleichgewicht der Natur und zerstören zunehmend die Lebensgrundlagen und Lebensräume. Das durch das fehlgeleitete Finanzsystem erzeugte Wirtschaftswachstum, besonders in den Industrieländern, nährt sich heute wesentlich von dieser Dynamik der Nachfrage nach Ersatzkonsum.

Ziele
Als Oberziel ergibt sich aus diesen Zusammenhängen: die größtmögliche Befriedigung der Bedürfnisse und Entfaltung aller Seinsebenen der Menschen im Zusammenhang mit allen Wesen der Erde und der Erde selbst.

Zur Erreichung dieses Ziels stehen folgende individuelle und kollektive Veränderungen an:

1. Psychisch-individuelle Veränderungen

Der einseitige Materialismus als Anhaften an Konsum und Besitz muss überwunden, die materielle Basis jedoch, zu der auch die Natur gehört, gleichzeitig mit aller Achtsamkeit gepflegt werden. Materielle Bescheidung wird dann möglich, wenn auch die nicht-materiellen Bedürfnisse befriedigt werden.

An die Stelle des materiellen Wachstums tritt emotionales und geistig-spirituelles Wachstum von Individuum und Gesellschaft, das sich in einer Verstärkung des Mitgefühls für alles Seiende ausdrückt. Jeder einzelne Mensch übernimmt dafür die Verantwortung.

2. Sozial-kollektive Ziele

3. Ökologisch-weltzentrische Ziele

Handlungen und Maßnahmen
Beim Kongress für integrale Politik konnte ein gemeinsamer Handlungswille aufgebaut werden. Diese Menschen möchten einen gemeinsamen Atem erzeugen, der es ihnen erlaubt, das entstandene Gefühl der Gemeinschaft und Solidarität über den Kongress hinaus zu erhalten, um dadurch im Sinn des oben genannten Zielsystems tätig zu werden.

Die nachfolgenden Handlungsfelder beruhen auf den Wünschen und Gedanken der KongressteilnehmerInnen. Sie sind in langfristige und kurzfristige Handlungsmöglichkeiten geglie­dert und sollen in konkrete Projekte münden. Sie können auch nach dem Kongress erweitert oder verändert werden.

Schlussakkord
Wir streben eine Gesellschaftsordnung an, in der Selbsterkenntnis durch die individuelle spirituelle Entwicklung, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, Kreativität, offene Kommunikation, ökologisches Denken, Gewaltfreiheit, Freiheit im Geistesleben, Menschlichkeit im Wirtschaftsleben, Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit aller, Toleranz und Selbstverantwortung obenan stehen. In diesem Sinn betreten wir die von uns als notwendig erachteten Handlungsfelder. Wir tun dies in Gelassenheit und mit Freude sowie mit Rücksicht auf unsere Kräfteressourcen.


Wenn Sie das Manifest unterstützen wollen, schreiben Sie bitte folgenden Text:

»Hiermit erkläre ich meine/unsere Zustimmung zum Manifest des ersten Kongresses für integrale Politik 2008 in St. Arbogast«

versehen mit Ihrem Namen (und ggf. Organisation), Unterschrift und wenn gewünscht, Adresse und Telefon an:

Sekretariat dynamik5
CH-3000 Bern
info@dynamik5.org

oder

Konvergenz-Gesellschaft
Methfesselstraße 4
37581 Bad Gandersheim

Die Trägerorganisationen:
dynamik5 Schweiz und dynamik5 Deutschland e.V.
ip (Integrale Politik) Schweiz
Die Violetten Deutschland
Holon-Netzwerk Schweiz und Deutschland
Konvergenz-Gesellschaft Deutschland

Vielen Dank an die KursKontakte und Gandalf Lipinski für die Genehmigung zum Abdruck.

geschrieben von: LADEVA | am 26.06.2009