Wachstum ohne Ende? Nein. Werde, der du bist!

© Guenter Hamich - pixelio.deWerde, der du bist.
Die Versöhnung des Zyklischen mit dem Linearen

 
Vom Frühling, der Jugend, dem Wachstum fasziniert zu sein, ist natürlich. Den Herbst, das Alter, die Schrumpfung zu mögen braucht mehr als das: Tiefe und ein Verständnis des Zyklischen. Wir können uns entwickeln, individuell und kollektiv, wir können höher, schneller, weiter werden. Irgendwann aber sterben wir. Sogar die Sonne wird eines Tages verlöschen. Alles geht zu Ende, nur das nicht Gewordene ist dann noch da.
 
Wasser ist für uns lebenswichtig. Aber nicht überall auf der Welt haben die Menschen sauberes Wasser zum Trinken, und es reicht auch nicht, um sich zu waschen, vom Bewässern eines Gartens ganz zu schweigen. Mehr als eine Milliarde Menschen hat kein für sie zugängliches, sauberes Trinkwasser. Da kein Mensch leben kann ohne Wasser zu trinken, trinken sie das schmutzige Wasser, waschen sich und ihr Kinder damit und werden davon krank.
Wo ein Bedürfnis vorliegt, da gibt es auch einen Markt, das ist ein Grundgesetz der Wirtschaft. Allerdings müssen die Bedürftigen das, was sie begehren, auch bezahlen können. Im Falle der Weltmärkte für Wasser können diejenigen, die es am meisten brauchen, es am wenigsten bezahlen. Ein Beispiel dafür brachte der Weltspiegel der ARD am 5. Mai dieses Jahres. Dort geht es um eine Flaschenwasserfabrik, die die Schweizer Firma Nestlé kürzlich in Südafrika errichtet hat.
Grundsätzlich schätzen die armen Länder es sehr, wenn Firmen aus den reichen Ländern bei ihnen investieren. Das bringt Geld ins Land, technisches Know-how, manchmal auch Infrastruktur. Das steigert das BIP (der am Geldwert gemessene Umsatz) pro Kopf und hilft dem Land, sich in den Statistiken nach oben zu bewegen, auf die reichen Länder zu. Die Politiker erfüllt es mit Stolz, dass sie auf diese Weise ihr Land voranbringen. Wenn sie dazu beigetragen haben, dass der Investor eine Lizenz bekommt, füllt das oftmals auch ihre eigenen Taschen.
 
Wasser verkaufen
Im Falle der Flaschenwasserfabrik in Südafrika darf die Wasserquelle von Doornkloof in der Nähe der Hauptstadt Pretoria seit dem Jahr 2011 nun ausschließlich nur noch von Nestlé genutzt werden. Vorher war sie für die Bewohner der Gegend frei zugänglich. Sie holten dort das Wasser für ihren täglichen Bedarf, tranken es und wuschen sich damit. Finanziell gesehen waren sie damals arm, aber sie hatten Wasser und waren passabel gesund. Heute verdienen einige von ihnen mehr Geld denn je, weil sie in der Flaschenwasserfabrik einen Job gefunden haben. Das BIP dieser Gegend ist angestiegen, das Ministerium für Wasserangelegenheiten in der Hauptstadt Pretoria freut sich darüber. Die Lizenz an Nestlé sei vergeben worden, um das Wachstum zu fördern, heißt es dort.
Aber die Menschen der Region haben nun kein sauberes Wasser mehr, denn das Flaschenwasser von Nestlé können sie sich nicht leisten. Sie leben zwischen Müll und Ratten in Slums. Wer nun einen Job hat, bringt ein bisschen Geld mit nach Hause, aber die Menschen sind kränker als zuvor. Auch die Mitarbeiter der Wasserfabrik bekommen das Wasser nicht kostenlos. Ein Liter pro Zwölf-Stunden-Schicht wird ihnen zugestanden – unverkäufliche Flaschen, deren Etikett beschädigt ist – und dieser Liter reicht gerade gegen den Durst während der langen Arbeitsstunden.
 
»Pure Life«
Nestlé ist das größte Industrieunternehmen der Schweiz und der größte Nahrungsmittelkonzern der Welt. Mit der Marke »Pure Life« ist Nestlé zudem Weltmarktführer auf dem Gebiet des Flaschenwassers geworden, einem der am stärksten wachsenden Bereiche der Nahrungsmittelindustrie. Man schätzt, dass die Flaschenwasserindustrie ihren Umsatz weltweit alle drei bis vier Jahre verdoppelt. 282.000 Liter werden an der Quelle Doornkloof täglich abgefüllt und weltweit vermarktet. »Wasser ist wesentlich für die Gesundheit« verkündet Nestlé auf seiner Webseite, warnt vor Dehydrierung, lobt die eigene Ökobilanz und preist die Marke »Pure Life« an in ihren zeitgemäß grüngewaschenen »eco-shape« Flaschen. Während das zuständige Ministerium in Pretoria weitere Wasserlizenzen vergeben möchte, denn das bringt Wachstum – und Wachstum bringt Wohlstand, wie jeder weiß. Oder sollte auch das eine Täuschung sein?
Schon in den 70er Jahren geriet Nestlé durch seine Praktiken bei der Vermarktung von Babynahrung in Verruf. Der Weltkonzern hatte damals in großem Stil afrikanische Frauen als Krankenschwestern verkleidet zu den Müttern geschickt und ihnen Gratismuster der Nestlé-Babynahrung geschenkt. Daraufhin hörten sie auf zu stillen, ihre Brüste gaben schon Tage später keine Milch mehr. Die Frauen mussten sich für ihre Babys nun die teure Nahrung von Nestlé kaufen, die viel ungesünder ist als Muttermilch. Außerdem führte die Verwendung schmutzigen Wassers beim Verdünnen des Milchpulvers dazu, dass viele Babies starben. Aber der Umsatz stieg – nicht nur für den Weltkonzern Nestlé, sondern ein bisschen davon kam auch im Land an, wo das BIP pro Kopf anstieg, obwohl das Elend zugenommen hatte.
 
Rettung aus der Armut?
Das Nachrichtenmagazin »The Economist« gilt unter Insidern als weltweit beste Wochenzeitschrift. Vor allem Ökonomen und politische Entscheider schätzen sie. Der Economist vom 1. Juni 2013 titelte optimistisch: »Towards the end of poverty« – wie man die Armut in der Welt beenden kann. Fast eine Milliarde Menschen seien in den vergangenen zwanzig Jahren »aus der extremen Armut befreit worden«. Als extrem arm gelten (u.a. auch für die UNO) Menschen, die weniger als 1.25 $ pro Tag zur Verfügung haben.
Unter der Zwischenüberschrift »Wachstum verringert Armut« erklärt der Economist dann, dass mehr als zwei Drittel der Armutsreduktion der vergangenen zwei Jahrzehnte dem Aufschwung in China zu verdanken seien. Zwischen 1991 und 2010 sind in China 680 Millionen aus der Armut gehoben worden, mehr als die gesamte Bevölkerung von Lateinamerika, sagen die Statistiken. Diese enorm hohe Zahl beruht jedoch auch auf dem Gegensatz zwischen dem Desaster, das die Kulturrevolution in China hinterlassen hatte und dem extremen Boom, den China in den Jahren danach erlebte und auch heute noch erlebt.
Ein solcher Boom gelingt nur auf Kosten der Natur, das heißt auf Kosten der künftigen Generationen, die dann auf einer ausgeplünderten Erde damit zurande kommen müssen, was der jetzige Raubbau übrig gelassen hat. Und: Statistiken sind nur Statistiken. Wenn die »Befreiung aus der Armut« auch so etwas beinhaltet wie die Wasserfabrik von Nestlé oder deren Umsatz an Babynahrung, dann hilft das den Menschen nicht. Eine solche BIP-Steigerung ist nur Fassade und kann im Einzelfall eine Verschlechterung der Lebensbedingungen bedeuten.
Teilweise gibt der Economist das zu: »Wachstum allein garantiert noch nicht eine Verringerung der Armut«, denn auch die Einkommensverteilung spiele dabei eine Rolle. Wenn die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinander geht, verringert das die Chancen, dass ein BIP-Wachstum zur Verringerung der Armut führt, das geben auch die Neoliberalen zu.
 
Bluffen mit Zahlen
Insgesamt lässt sich der Economist, dieses Flaggschiff eines deregulierten Weltkapitalismus, in seinem Wachstums-Optimismus nicht beirren und verkündet, dass bis 2013 eine weitere Milliarde aus der Armut befreit werden könne, wenn denn nur überall das Wirtschaftswachstum gefördert würde, speziell in Indien und in Afrika, aber auch sonst. Merkel wird scharf dafür gerügt, dass sie das Wachstum nicht genügend pusht, und ebenso alle andern, die dabei zögern.
Das ist die aktuell weltweit dominierende Wirtschaftsphilosophie. Sie ist auf dem einen Auge blind. Es ist ja zu begrüßen, dass Millionen von Chinesen heute nicht mehr hungern müssen und sich Schuhe kaufen können. Was das mit der Umwelt macht, wird dabei jedoch weitgehend außer Acht gelassen. Ebenso der Bluff, der in Wachstumszahlen generell liegt, die ja zum großen Teil auf Monetarisierung basieren – man stelle sich nur vor, wie das BIP anwachsen würde, wenn alle Ehepartner weltweit sich für die Haushaltsarbeit gegenseitig bezahlen würden. Hebt sie das aus der Armut? Keineswegs. Es »monetarisiert« nur einen Austausch, der auch ohne Geld stattfinden würde. Drittens wird eine hohe Wachstumsrate meist auf Kosten höherer Ungleichheit erzielt, was die Korruption fördert, meist auch die Kriminalität. Und ganz allgemein macht Ungleichheit Menschen unzufriedener, weil Ungleiche sich immer mit denen vergleichen, die mehr haben – ob die mit dem Mehr glücklicher sind, das fragt sich der Neider nicht.
 
Pro und contra Wachstum
Zwischen 1848 und 1989 war die Welt ideologisch gespalten in rechts und links, kapitalistisch und sozialistisch. Eine Zweiteilung, die sich mit Gorbatschows Perestroika und der folgenden Auflösung der Sowjetunion fast völlig erledigt hatte. Heute ist die Welt kaum mehr zwischen links und rechts gespalten, das überschneidet sich alles irgendwie an unklaren Fronten, man weiß längst nicht mehr, wo da die Guten und wo die Bösen stehen. Heute ist die Welt zwischen den Befürwortern und den Gegnern des Wachstums gespalten. Die »Mehr, mehr, mehr« Fraktion und die »Es ist genug« Fraktion verstehen einander nicht und stehen sich meist unversöhnlich gegenüber. Und diese Kluft trennt nicht nur die neoliberalen Globalisierungsfreunde, die die Containerschiffe und den Welthandel lieben von den Lokalisten, Autarkie- und Selbstversorgungsfans auf der anderen Seite, sondern sie geht tiefer. Sie zieht sich bis hinein in das west-östlich traditionell sehr verschiedene Verständnis von Zeit.
 
Indien: Zeit als Zyklus
Auf Hindi, der Muttersprache von immerhin mehr als 600 Millionen Menschen (mehr als die Muttersprachler des Englischen oder des Spanischen) ist das Wort für morgen und gestern dasselbe: कल (kal). Einen Tag vorwärts auf dem Zeitstrahl, einen Tag rückwärts, egal, gemeint ist »der andere Tag«.
Indien ist auch das Land, welches das Konzept von Samsara hervorgebracht hat, symbolisiert als Bhava-Chakra, das Rad des Seins, auch »Rad der Wiederkehr« genannt. Ein Symbol, das sich bei uns im Circulus viciosus, im Teufelskreis wiederfindet, und auch im Hamsterrad und der Tretmühle. Aber der Kreis ist in Indien nicht nur Symbol der Leidensroutinen, es gibt dort auch das Symbol des Dharma-Chakra, des Rads der Lehre, das die Weisheit des Überschreitens dieser Leidensroutinen durch gewisse Befreiungsroutinen symbolisiert. Denn auch in der Praxis der Befreiung wiederholt sich vieles: Sie besteht aus Übungen, die man oft wiederholen muss, geduldig, diszipliniert und möglichst erwartungslos, Umdrehung für Umdrehung, wieder und wieder.
 
Spiralische Entwicklung
Die so Übenden hoffen nun, dass sich aus dem Kreis eine Spirale erheben möge. Mit jeder Umdrehung des Rades der Lehre hoffen sie, ein bisschen weiter zu wachsen. Womit sich wieder ein lineares Konzept in das Zeitverständnis einschleicht, denn der spiralisch sich Entwickelnde möchte ja irgendwann einmal oben ankommen, bei der höchsten Drehung der Spirale. Oder sollte die Spirale, die sich da zunächst nach oben windet, zu scheinbar Höherem, sich schließlich doch wieder zu einer Kreisform schließen, in der Ende und Anfang dasselbe sind? Und könnte dann dieser Kreis wieder eine spiralische Entwicklung erleben?
Kreis und Gerade, beides sind nur Symbole, mit denen wir versuchen, das Phänomen der Zeit zu erfassen. Vielleicht sind die ins Unendliche weisende Linie und der in sich geschlossene Kreis ja zwei sich ergänzende Arten, das Mysterium der Zeit zu verstehen. So wie das Licht weder als Welle noch als Partikel vollkommen erklärt ist.
Meine Sympathie gilt ein bisschen mehr dem Kreis als der geraden Linie. Vielleicht weil der Kreis sich in einer Ebene befindet: Aus der dritten Dimension, dem Raum betrachtet, scheint die Ebene eine höhere Dimension zu sein als die Linie. Wobei wir mit der scheinbaren Höherentwicklung wieder im Linearen gelandet wären … ach, es bleibt wohl doch ein Mysterium.
Jedenfalls erscheint mir die Betrachtung des Weltgeschehens als eines linearen Voranschreitens, ja Fortschrittes und einer Evolution zu immer Höherem als einseitig. Wir werden geboren und sterben. So vieles wiederholt sich: Aus Tag wird Nacht, aus Sommer Winter, dem Heranwachsen folgt das Altern. Und in der Wirtschaft? Da ist nur von Upstarts die Rede, runter geht es anscheinend nie. Was machen die denn, wenn sie up, nach oben, gestartet sind und der Markt sich eines Tages nicht mehr ausweitet? Downshifting, Downsizing und Gesundschrumpfen? Igitt, das wäre doch ein Scheitern. Dabei sind das ebenso wunderbare und natürliche Prozesse wie das Wachsen. Wären da nur nicht der Zins und die Renditeerwartungen als Treibkräfte eines Geschehens, das als endlos steigerbar gilt, um dann doch zyklisch (!) immer wieder zusammenzubrechen, in diesen Crashs der Wirtschaftsgeschichte.
 
Durch eine Brille betrachtet

Ich gebe zu: Hier stecke auch ich mit drin. Kein Autor kann von seiner eigenen Biografie ganz absehen, auch wenn das Sich-Erheben über das Persönliche, die individuelle Perspektive, viele Jahrzehnte lang noble Grundregel des seriösen Journalismus war: Das Ich muss weg, die Objektivität soll her. Das Ich aber blieb, es versteckte sich nur. Jeder Mensch schaut immer nur aus jeweils einer Perspektive auf die Welt, seiner eigenen, auch wenn die sich mit der Zeit ändert und sogar gegenwärtig facettenreich flimmern kann. Ich bin jetzt 60 Jahre alt und habe 28 Jahre lang für das Wachstum des Connection-Verlages gearbeitet. Und jetzt? Darf dieser Verlag auch schrumpfen, darf er sterben? Kann ich ihn in andere Hände geben, die ihn weiterführen? Solche Gedanken entsprechen meinem Lebensalter. Ich bin ja nicht Gott, der biografiefrei auf die Welt blickt und unperspektivisch, ungefiltert, wertfrei nur sieht, was da ist.
Herkunft, Lebensalter, weltanschauliche Orientierung, die ganze Biografie eines Menschen beeinflusst die Art, wie er auf die Welt blickt und worauf sich seine Aufmerksamkeit jeweils gerade richtet. Wahrnehmungsfilter bestimmen, was er dabei weglässt, um das für ihn Wesentliche übrig zu lassen. So bin ich diesmal zum Thema »Wachstum« gekommen und zu diesen Gedanken über das Zyklische und das Lineare. Als 30-jähriger würde ich vermutlich anders denken.
 
Akzeptiere und verändere
Ich meine, dass ein Verständnis sowohl von Fortschritt (dem Linearen) wie auch von Wiederkehr (dem Zyklischen) für unsere Entscheidungen wesentlich ist. Als Nietzsche vom »Werde, der du bist« sprach, meinte er vermutlich das. Werden, das ist der Fortschritt. Sein, der ich bin, das ist das Wahrnehmen dessen, was sich nicht ändert. Darin ruhen wir. Auch wenn wir uns um uns selbst drehen, ruhen wir eigentlich, denn die Achse der Drehung ruht. Dieser Gegensatz zwischen dem Linearen und dem Zyklischen macht auch den Widerstreit aus zwischen dem in der heutigen spirituellen Szene so ausgiebig breit getretenen »Akzeptiere, was ist« und dem Hang zur persönlichen und kulturellen Weiterentwicklung sowie zur Weltverbesserung. Wer mit anderen Wesen mitfühlt, wird Armut, Leid und Ungerechtigkeit nicht einfach so lassen können, wie es ist.
Weisheit verbindet beides miteinander. Während wir werden, wachsen und uns entwickeln, können wir in dem ruhen, wer wir sind und von Anfang an waren. Unsere Buddha-Natur, unseren Wesenskern können wir entdecken – erringen können wir ihn nicht. Und auch wer ihn entdeckt hat, bleibt noch ein sich Entwickelnder, ein Held auf seiner Reise. Solche bodhisattvischen Helden sind als Weltverbesserer den gestressten Aktivisten überlegen, weil weniger verborgene persönliche Schattenseiten und noch unentdeckte blinde Flecken ihrem noblen Streben zuwiderlaufen.
 
Moden, Märkte…
So betrachte ich auch die Entwicklung der Märkte. Die Popularität von Waren ist Modewellen unterworfen. Das gilt auch für die popspirituellen Trends, die da kommen und gehen, neuerdings immer massenwirksamer und schneller einander abwechselnd. Deeksha war eine solche Welle, die vor ein paar Jahren die spirituelle Szene erfasste, dann ebbte sie ab. Andere kamen, wie die Quantenheilung, nun ebbt die Begeisterung auch für diese Art der Instant-Heilung schon wieder ab. Das sind zyklische Bewegungen. Ähnlich ergeht es Begriffen, die neu eingeführt werden, anfangs große Begeisterung wecken, sich dann aber verbrauchen; wer sie nach dem Höhepunkt ihrer Popularität noch anwendet, gilt bald als vorgestrig.
 
…und das Zeitlose
So schwemmen einige Modewellen gerade diverse Stilrichtungen Indiens in die Weltkultur: Bollywoodfilme, Ayurveda-Medizin, das Chanten, einige Stile der indischen Küche und Kleidung. Obwohl Indien tiefere spirituelle Traditionen als Europa hat, sind diese Indientrends nicht an sich tiefer oder spiritueller als das, was wir ohne Ayurveda, indisches Essen und Chanting vorher gegessen, gesungen, gedacht, gefühlt und getan haben. Die Suche nach dem Wesentlichen, dem Zeitlosen, muss tiefer gehen. Sie muss die Achse finden, um die sich die Moden drehen. Sie muss nach innen gehen, bis an den Punkt, wo alles ruht. Wenn kulturelle Bewegungen von dort aus betrachtet werden, ist der Blick auf die Welt ein anderer.
 
 
 
Wolf Schneider, Jg. 1952. Autor, Redakteur, Kursleiter. Studium der Naturwissenschaften und Philosophie (1971-75) in München. 1975-77 in Asien. 1985 Gründung der Zeitschrift connection. Seit 2008 Theaterspiel & Kabarett. Kontakt: schneider@connection.de. Blogs auf connection.de und auf schreibkunst.com

Foto: © Guenter Hamich - pixelio.de

geschrieben von: LADEVA | am 04.09.2013