Zahnschmerz – Und was sagt der Darm dazu?

zahn_by_tobias_bruning_pixelio.deEigentlich bin ich nur Zahnarzt. Doch es reicht nicht, meinen Patienten nur in den Mund zu sehen, ich versuche alles miteinzubeziehen, was in der Befindlichkeit und in der Betrachtung auffällig ist. Wir nennen das ganzheitliche Zahnheilkunde. Zusätzlich habe ich mich auf die Umwelt-Zahnmedizin spezialisiert.

Was ganzheitliche Zahnheilkunde genau ist, lässt sich anhand eines Falles beschreiben. Ein Patient saß auf meinem Behandlungsstuhl und klagte über Schmerzen in den unteren hinteren Backenzähnen. Ich konnte weder eine Zahnfleischerkrankung noch Karies finden. „Gibt es ein Thema, das sie im Moment belastet ?“, fragte ich.

Daraufhin erzählte der Patient, dass seine Frau vor einiger Zeit gestorben sei, und er immer noch darunter leide. Das war die Ursache: Der untere 6er gehört zum Meridian Lunge-Dickdarm . Thema: Nähe-Gefühl-Loslassen. Wir versuchen den Menschen als Ganzes sehen. nicht nur auf die einzelne Erkrankung, sondern auf die Wechselwirkungen zwischen Geist, Körper und Seele. Ich empfahl dem Mann Bachblüten, um die psychosomatische Störung wieder auszugleichen.

Störungen an Zähnen oder Kiefer - unverträgliche Materialien, Herde, tote Zähne mit unvollständigen Wurzelfüllungen, Infektionen im Zahnfleisch, gerade bei herabgesetzter Abwehr- können zu erheblichen gesundheitlichen Belastungen des gesamten Körpers führen.

Ebenso gilt der umgekehrte Weg: Erkrankungen an anderen Organe oder in Wirbelsäule durch z.B. Fehlstellungen können zu Schäden an Kiefergelenk und Zähnen führen. Oft ist das immunologische Gleichgewicht  gestört. Alles ist miteinander vernetzt. Und der Körper, in diesem Fall der Mund, gibt ein Zeichen. Aktuelle Forschungsergebnisse spiegeln die Zusammenhänge zwischen oraler und allgemeiner Gesundheit wieder: Das Risiko von Kreislauferkrankungen, Schlaganfall und Frühgeburten kann bei Parodontose erhöht sein. Nacken-, Rücken- oder Kopfschmerzen können ihre Ursache in Störungen des Kiefergelenks haben. Stress und Übersäuerung ist oft Ursache von Kieferknochenabbau, Zahnfleisch- schwund und Osteoporose.

unger_joachimIn keinem Körperbereich befinden sich so viele verschiedene Fremdmaterialien wie im Mund– und das 24 Stunden am Tag. Da sind zum einen die vielen Materialien, die für Füllungen, Brücken, Inlays, Prothesen oder Implantate verwendet werden. Zum anderen sind es Einflüsse von außen: ungesunde Ernährung, Tabak, Kaffee, Alkohol, Lärm, Umweltgifte in Luft und Wasser, Kleidung und Wohnung und Elektrosmog. An diesem Punkt kommt die Umweltmedizin ins Spiel. Hier stehen die Werkstoffe, die wir Zahnärzte verwenden und die Wechselwirkungen mit dem Körper eingehen, unter kritischer Beobachtung. Zum Beispiel habe ich seit 1987,als ich die Praxis gründete, nie Amalgam, das Kassen-Standard-Material, benutzt:  Als Medikament zugelassen,als Sondermüll entsorgt. Der Widerspruch ist nur politisch zu erklären.

Aber nicht nur Quecksilber in Form von Amalgam ist ein Nervengift, das u.a. Kopfschmerzen, Antriebslosigkeit, Infektionsanfälligkeit hervorruft. Titan, Palladium und Prothesenwerkstoffe belasten ebenso, allerdings selten als Allergie. Mit Kinesiologie und Blutproben können wir herausfinden, welche Stoffe zu körperlichen Beeinträchtigungen führen. Der Mund und die Zähne sind also letztlich ein Teil des ganzen Menschen. Die Erfahrungsmedizin der wachen Menschen weiß es schon lange, nur wir Ärzte kommen jetzt erst drauf. Beobachtungen wie 'auf dem Zahnfleisch gehen, zerknirscht sein, Biß haben- sind in 'aller Munde`.

Zahn Foto: © Tobias Bruning / PIXELIO

geschrieben von: Joachim Unger | am 07.12.2009